Russische Verteidigung

1. e4 e5
2. Sf3 Sf6

 

Aufgrund der Eröffnungsfalle mag diese Eröffnung einen schlechten Eindruck auf Sie gemacht haben, sie hat aber durchaus ihre Vorzüge. Obwohl in der Datenbank »nur« 36 662 Partien vorliegen, bietet sie einige Vorteile, die aber statistisch gesehen eher auf Seiten von Weiß liegen. Mit 39,7 % Siegen und 36,3% Unentschieden stehen die Chancen für Weiß gut, das Spiel zumindest nicht mit einer Niederlage zu beenden. Vielleicht ist dies eines der Gründe, warum Sf6 vergleichsweise selten gespielt wird. Abseits der Statistik fällt vor allem auf, dass der Bauer auf e5 ein sehr kurzes Dasein fristen wird.

3. Sxe5 d6
4. Sf3 Sxe4
5. d4 d5

 

Der Vorteil von Weiß ist bis hierhin vernachlässigbar. Beide Seiten sind gleichermaßen entwickelt und haben die offene e-Linie geschaffen. Zudem können sich auf beiden Seiten die Läufer frei entfalten, was zusätzliche Spannung verspricht. Es gilt eine Balance zu finden aus einer Kontrolle des Zentrums und Druck auf den gegnerischen König.

6. Ld3 Sc6
7. O-O Le7
8. c4 Sb4

 

Es ist erstaunlich, wie an dieser Stelle Theorie, Praxis und Gefühl getrennte Wege gehen. Die Theorie zeigt noch immer eine ausgeglichene Stellung. Der Weiße Vorteil ist marginal. Vom Gefühl her steht Schwarz sogar etwas aktiver. Die beiden Springer strahlen viel Gefahr aus und Weiß muss genau spielen um nicht Material zu verlieren, etwa mit einer Gabel. Im Blitzschach können solche Fehler schnell passieren, was für Schwarz einen Vorteil verspricht. In der Praxis hingegen stehen die Siegchancen für Schwarz bei rund 16,4%. 49% der Partien enden Unentschieden!

9. Le2 O-O
10. Sc3 Lf5

 

Weiß will, aus verschiedenen Gründen, den Läufer nicht abtauschen. Da es keine starren Bauernstrukturen mehr gibt und das Zentrum viel Luft bietet, können sich die Läufer im Mittelspiel frei entfalten. Ein Abtausch gegen einen Springer wäre ein Nachteil. Nach 10…Lf5 ist das größte Problem von Weiß der Springer auf b4. Er greift a2 direkt an, was den Turm fesselt und kann auf c2 und d3 Unruhe stiften, was weitere Figuren von Weiß bindet. Die Aufgabe von Weiß besteht nun darin, dem Offensivdrang von Schwarz Einhalt zu gebieten um selbst Gegenspiel zu entwickeln. Schwarz hingegen kann auf der c-Linie einen Doppelbauern erzwingen und so die Struktur von Weiß weiter schwächen.

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