Königsindische Verteidigung

1. d4 Sf6
2. c4 g6
3. Sc3 Lg7

 

Unter »Indische Verteidigung« versteht man eine Ansammlung von Eröffnungen, welche eine Antwort auf 1. d4 geben, ohne 1…d5 zu spielen. Gemein haben alle Varianten 1…Sf6, ab dann gibt es Abweichungen. Auf der Seite möchte ich die zwei häufigsten Varianten, nämlich das Königsindisch und das Nimzoindisch behandeln.

Die Idee hinter Sf6 besteht darin, e4 zu verhindern. Weiß antwortet meistens mit 2. c4, da es damit gelingt, Druck auf d5 auszuüben ohne e4 zu bemühen. Für Schwarz hat dies den Vorteil, dass es den Königsflügel zunächst weniger belastet. Statt 2. c4 kann Weiß auch Sf3, Lg4 oder e3 spielen, für Schwarz macht das aber kaum einen Unterschied, zumindest in den ersten drei Zügen.

In den meisten Varianten wirkt Königsindisch etwas passiv. Schwarz will den König schnell in Sicherheit bringen und überlässt, zumindest vorerst, Weiß das Zentrum. Für den Anziehenden stehen die Gewinnchancen mit 40,7% ähnlich gut wie beim Damengambit, er sollte aber nicht sorglos mit dem statistischen Vorteil um gehen.

4. e4 O-O
5. Sf3 d6
6. Le2 e5

 

Schwarz ist bisher dem direkten Konflikt ausgewichen. Der König ist gesichert und nun kommt mit 6…e5 der Vorstoß. Weiß muss sich entscheiden, ob er schlägt, rochiert oder mit dem Bauern auf d5 zieht.

7. O-O Sc6
8. d5 Se7

 

Schwarz hätte, nach der weißen Rochade, auf d5 schlagen können, aber dadurch hätte sich der Springer auf b8 nur schwer entwickelt. So aber konnte er auf e7 gelangen, von wo aus er auf den Königsflügel schielt.

9. Se1 Sd7
10. Le3 f5

 

Von beiden Seiten ein passives Spiel, welches mit 10…f5 ein Ende findet. Schwarz steht hinten bombensicher und kann nun einen Vorstoß wagen. Da beide Seiten kurz rochiert haben, verspricht es eine Schlacht zwischen Zentrum und Königsflügel. Man beachte aber, dass die weiße Dame durch die freie Diagonale auch Ambitionen auf dem Damenflügel hat.

Die Gewinnchancen liegen für Weiß bei 45,3%, was ein sehr guter Wert ist. Um – aus der Sicht der Statistik – mehr rauszuholen, hätte es Schwarz mit 7…Sa6 probieren können. Spielt Weiß dann 8. d5, klettern die Siegchancen für Schwarz auf 54,7%. Allerdings wird meistens 8. Le3 gespielt, doch auch hier liegt die Chance für Schwarz, nicht zu verlieren, bei guten 62%! Ich nehme an, dass die Sa6-Variante nicht so oft gespielt wird, weil sich ein Springer am Rand immer komisch anfühlt, aber wir haben schon zuvor gelernt, dass diese alte Regel ihre berechtigten Ausnahmen hat.

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