Italienische Partie

1. e4 e5
2. Sf3 Sc6
3. Lc4 Lc5

 

Diese Variante wird Giuoco Piano genannt und ist eine sehr klassische, aber heute noch oft gespielte Eröffnung. In der Datenbank sind knapp 33 000 Partien mit diesen Zügen vermerkt. 41,6% gewann Weiß, 33,7% Schwarz. Die restlichen endeten Remis.

Die Grundidee ist denkbar einfach. Es geht um eine ruhige Entwicklung, ohne konkrete Angriffe. Die Entwicklung ist für Weiß perfekt und tatsächlich kann der Anziehende bereits im vierten Zug rochieren. Da Schwarz mit 2…Sc6 erst den Bauern auf e5 decken musste, ist er einen Zug im Nachteil, kann dies aber mit Sf6 kompensieren. Eine zentrale Idee von Weiß ist das Zielen auf f7 mit dem Läufer auf c4. Schwarz droht mit seinem Läufer auf c5 das Gleiche auf f2.

Statistisch gesehen sind die Gewinnchancen für Weiß mit 4. b4 am größten. Hier liegen die Chancen bei 47,9%, weshalb ich diese Variante beim Evans-Gambit genauer zeigen werde. Mit 18,7% sind die Chancen auf ein Unentschieden sogar relativ klein. Das ist also eher eine Hop oder Top Variante.

Häufige Züge sind 4. c3 und 4. d3. Der Zug d3 macht Platz für den Läufer auf c1 und deckt zusätzlich den Bauern auf e4. 4. c3 hingegen bereitet den Zug d4 vor, was auf eine Konfrontation im Zentrum abzielt. In unserer Hauptvariante machen wir mit der eher ruhigen Rochade weiter.

4. O-O Sf6
5. d3 O-O

 

Die Position ist für beide sehr ausgeglichen, auch wenn Schwarz immer noch Tempoverlust hat. Statistisch gesehen wäre 5…d6 für Schwarz besser. Hier stehen zu je einem Drittel die Chancen für Sieg, Unentschieden und Niederlage. Dennoch ist die Rochade sehr gut spielbar. Schwarz hat bisher eine Leichtfigur mehr entwickelt, übt aber weniger Druck auf das Zentrum aus. Das wird vor allem nach dem nächsten Zug deutlich. 6. c3 d6

Nach dem sechsten Zug wurde noch immer keine Figur geschlagen, aber es steht alles für eine große Schlacht im Zentrum bereit.

7. Sbd2 a5
8. Te1 a4
9. Lb5 Ld7
10. Sc4 Sg4

 

In dieser Fortsetzung sieht man zwei Ideen. Weiß hat Bestrebungen das Zentrum zu kontrollieren. Statt dies eisern zu verteidigen, macht Schwarz Druck auf dem Königsflügel. Der Springer auf g4 ist unangenehmer als der weiße Läufer auf b5. Außerdem zielt Schwarz mit dem Läufer auf d7 und der Dame auf d8 auf den Königsflügel.

Trotz seiner zahlreichen Varianten ist Giuoco Piano sehr gut für Anfänger geeignet, weil man nicht sehr viel falsch machen kann und man nicht in den ersten Zügen in komplexe Schlagkombinationen gerät. Auch wenn Sie sich für diese Art der Eröffnung nicht begeistern können, sollten Sie sich dennoch ein wenig damit befassen, weil man an ihr sehr gut die Grundregeln der Eröffnung versteht.

Man sollte sich von der hier gezeigten Hauptvariante nicht täuschen lassen. Je früher einer der Spieler von ihr abweicht, umso mehr Potenzial hat sie für komplexe Verwicklungen und frühe Abtäusche. Ebenso enthält die italienische Eröffnung für beide Seiten viele Eröffnungsfallen, mit denen man sich irgendwann zwangsläufig beschäftigen sollte.

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