Figurenfang

Das Konzept des Figurenfangs ist einfach zu verstehen. Wir streiften es bereits im Kapitel »Die sieben goldenen Regeln der Eröffnung« bei Regel 4. Jede Figur verfügt über einen Aktionsradius und je geringer er wird, umso schwieriger ist es, Angriffen auszuweichen. Bei einem Aktionsradius von 0 hilft nur noch die Deckung, doch bei einem Ungleichgewicht zwischen Wert des Angreifers und dem der gedeckten Figur führt es dennoch zu Materialverlust, wenn das Gleichgewicht ungünstig ist. Dieses Missverhältnis hatten wir auch bei den anderen Motiven. Wenn wir eine Dame schlagen und einen Läufer verlieren, ist das immer noch ein prima Geschäft. Gleiches gilt auch für Springer bzw. Läufer gegen einen Turm. Rein rechnerisch sind ein Springer und ein Läufer zusammen wertvoller als ein Turm, der Tausch aber nicht in allen Fällen die beste Wahl.

 

Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an. Hier ist Weiß am Zug. Man sieht deutlich, dass die schwarze Dame nicht viele freie Felder hat, vor allem nicht nach Th3. Die Felder d6, e6, f6 und g5 sind alle von Weiß angegriffen. Das einzige freie Feld ist g6. …Dg6 Tg3 Dh6 f5 Dh4 Lg5.

 

Schwarz hat sich tapfer gewehrt, aber nun gibt es kein Ausweichen mehr. …Dxg3 ist der letzte Weg um den Schaden etwas zu verkleinern. hxg3 Sxf5.

Das Beispiel zeigt die Schwierigkeit dieses Motivs. Es verlangt exakte Berechnung, die über mehrere (hier fünf) Züge gehen kann.

Manchmal hilft der Gegner mit und macht einen Figurenfang relativ einfach.

 

Weiß störte sich am schwarzen Läufer auf e4 und zog zuletzt Lf3 um ihn anzugreifen. Das Problem: Der Springer auf h4 hat kein freies Feld mehr. …g5 Lxe4 dxe4 Sf3 exf3.

Der Aktionsradius der Figuren lässt sich vor allem dann gut beschränken, wenn genug Figuren auf dem Brett sind, die den Weg versperren. Deshalb tritt der Figurenfang oft in der Eröffnung und am Anfang des Mittelspiels auf. Häufig werden Figuren gefangen, die sich zu weit und zu früh in die gegnerische Hälfte gewagt haben. Deshalb sollte man bei jedem Angriff auch die Optionen für einen Rückzug berücksichtigen.

Es gibt aber auch Ausnahmen, wie das folgende Beispiel zeigt. Weiß hat einen Bauern mehr und somit im Endspiel einen entscheidenden Vorteil.

 

Schwarz möchte den Vorteil kompensieren und spielt …Lxa2?. Der ungedeckte Bauer ist aber eine Falle. b3 schließt den Läufer ein und Schwarz kann nur noch mit Lxb3 einen zweiten Bauern für seinen Läufer holen. Das Endspiel ist nun für Weiß leicht gewonnen.

Taktische Motive im Überblick

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