Evans-Gambit

1. e4 e5
2. Sf3 Sc6
3. Lc4 Lc5
4. b4

 

Das Evans-Gambit ist eine Variante der Italienischen Partie und zeigt, dass diese scheinbar ruhige Eröffnung durchaus knifflig werden kann. Bei einem Gambit opfert einer der Spieler einen Bauern oder eine Leichtfigur für einen taktischen Vorteil. In diesem Fall wird Schwarz der Bauer b4 angeboten.

4. b4 wird vergleichsweise selten gespielt, nur etwa 3650mal laut Datenbank. Zum Vergleich: 4. d3 kommt über 15 000mal vor. Die Gewinnchancen für Weiß sind mit 47,8% ausgezeichnet. Allerdings zeigt ein genauer Blick, dass mit 18,7% nur wenige Remis vorkommen und es sich somit auch um eine Variante handelt, mit der Schwarz ebenfalls gut leben kann.

4…Lxb4
5. c3 La5
6. d4 exd4
7. O-O

 

Instinktiv stäubt sich bei dieser Variante so ziemlich alles in Weiß. Er verliert zwei Bauern, hat zwei halboffene Linien und einen »komischen« oder zumindest ungewohnten Aufbau. Tatsächlich ist die Stellung aber zu diesem Zeitpunkt völlig ausgeglichen. Wie kann das sein? Weiß fehlen zwei Bauern und es ist dennoch ausgeglichen?

Wenn man die Stellung nach der Rochade von Weiß genauer betrachtet, fallen folgende Dinge auf. Schwarz braucht noch mindestens zwei Züge um den König in Sicherheit zu bringen. Sollte Schwarz 7…dxc3, gewinnt es zwar einen weiteren Bauern, verzögert aber weiter die Rochade. In der Zwischenzeit kann Weiß viel Druck entwickeln und seinen Entwicklungsvorsprung nutzen um Schwarz in Schwierigkeiten zu bringen. Die häufigste Fortsetzung ist:

7…Sge7
8. cxd4 d5
9. exd5 Sxd5
10. Db3

 

10. La3 wäre stärker (stört die Rochade), aber Db3 hat ebenfalls seine Vorzüge. Der Springer auf d5 wird bedroht, gleichzeitig hat Weiß Läufer und Dame auf eine Diagonale gebracht um f7 in Visier zu nehmen. 10…Le6 deckt zwar den Springer, gibt aber b7 preis, was für Schwarz durchaus unangenehm werden kann. Spätestens hier ergeben sich zahlreiche komplexe und spannende Varianten, inklusive einem Damenopfer von Weiß im Tausch gegen Turm und Läufer.

Das Evans-Gambit gehört auf jeden Fall zu einer Eröffnungsvariante für Fortgeschrittene. Aufgrund seiner zahlreichen Tücken ist es aber eine gute Waffe für Weiß um im Blitzschach Vorteile zu erlangen. Diese Eröffnung war für einige Jahre aus der Mode und wurde fast ausschließlich von Amateuren gespielt. In den letzten Jahren wurde sie wieder unter Großmeistern populär und ist somit eine sehr alte Eröffnung, die wieder in Mode ist.

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