Die Ablenkung

Das Wort »Ablenkung« klingt zunächst etwas irritierend. Damit sind nicht Gesten oder Geräusche am Brettrand gemeint und auch nicht, das man mit Handpuppen herum kaspert. Ablenkung bedeutet im Schach, dass eine Figur von ihrer eigentlichen Aufgabe abgelenkt wird.

 

Weiß am Zug. Der schwarze Springer auf e5 hat u. a. die Aufgabe die Dame auf g4 zu decken. Doch die stärkste Drohung im Schach ist eine Mattdrohung und darauf muss Schwarz reagieren. Tf7+ Sxf7. Der Springer muss schlagen, da Kg8 zu Dh7# führt. Nachdem der Turm geschlagen wurde, steht die Dame ungedeckt dran und lässt sich durch Dxg4 vom Brett entfernen.

Die Schwierigkeit bei diesem Motiv liegt darin, dass die Ablenkung nicht so schnell zu erkennen ist wie die anderen taktischen Motive. Das liegt daran, dass die Opfer nicht zwingend in einer geometrischen Ordnung zueinander stehen. Die abzulenkende Figur und die Figur, die geschlagen wird, stehen oft nicht in einer Diagonale, einer Linie oder Reihe.

 

 

Die Position ist ein Klassiker. Weiß ist am Zug und beendet mit Lxf7+ alle Träume von Schwarz, das Spiel erfolgreich zu bestreiten. Abgelenkt wird dieses Mal der König, der als einziger Schutz für die Dame übrig bleibt. Egal was Schwarz macht, die Dame geht auf jeden Fall verloren. …Kxf7 ist der logische Zug, …Ke7 zögert es nur heraus, da La3 Dd6 Dxd6 ebenfalls zum Verlust der Dame führt.

Erneut sehen wir, wie empfindlich das Feld f7 ist.

 

Hier ist Schwarz am Zug, hat aber das gleiche Bestreben wie im Beispiel zuvor. …La6+ Ke1 Lf2+ Kxf2 Dxd1. Die Ablenkung erfordert zwei Züge und das Opfer des Läufers, doch der Lohn der Mühe ist erneut die Dame. Weiß hat keine Möglichkeit dies zu verhindern, kann es nur mit c4? um einen weiteren Zug hinauszögern und verliert einen weiteren Bauern.

 

Es muss sich nicht immer um Dame und König drehen, wie dieses Beispiel zeigt. Schwarz ist am Zug. …e5 ist der Stich in das weiße Herz. Der Läufer wird angegriffen und er kann seine Aufgabe, den Springer zu decken, nicht mehr wahrnehmen. Lb6 Txc3 verschafft Schwarz einen Materialvorteil.

Um solche Motive zu finden braucht es mehr Übung als bei den vorherigen. Das zweite Beispiel ist dabei noch am einfachsten zu finden, da es früh in der Partie vorkommt und man das Feld f7 ohnehin als Schwäche im Blick hat. Die zentrale Frage, die man sich als Angreifer stellt, betrifft die Aufgabe der Figuren. Die Gedanken gehen in etwa in diese Richtung: »Figur X wird derzeit nur von Figur Y gedeckt. Wie kann ich Y von dieser Aufgabe entbinden?« Wenn Zeit keine Rolle spielt, kann man sich solche Fragen tatsächlich bei jedem Zug stellen und die entsprechenden Kombinationen durchrechnen. Im Blitzschach lebt man diesbezüglich vorwiegend von der Routine. Man merkt immer häufiger instinktiv, dass es sich um eine solche Situation handeln könnte und rechnet dann die wenigen Fälle konkret durch.

Taktische Motive im Überblick

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