Bird-Eröffnung

1. f4

 

Auch bei dieser Eröffnung (wie auch bei Skandinavisch) hat es den Anschein, als würden die goldenen Regeln gleich aus dem Fenster springen. Auf lichess.org kann man vor jedem Zug die fünf besten Varianten anzeigen lassen, 1. f4 ist nicht dabei. Wenn man ihn macht, springt die Stellungsbewertung von +0,2 (das ist der Anzugsvorteil) auf -0,2 Punkte. Man verliert also 0,4 Punkte und somit fast einen halben Bauern.

In der Datenbank gibt es nur 20 219 Partien mit der Bird-Eröffnung, in knapp 40% der Fälle gewinnt Schwarz, Weiß nur zu 35%. Warum sollte eine Webseite für Schach auf diese Eröffnung eingehen? Als Abschreckung?

Mitnichten. Bird wird gerne in Blitz- und Schnellschachpartien verwendet, vorwiegend um den Gegner aus der Vorbereitung zu reißen. Tatsächlich passiert es hier gerne, das unerfahrene Spieler auf die eine oder andere Finte reinfallen. Außerdem ist man zwar nominell minimal im Nachteil, sie ist aber dennoch gut spielbar.

1…d5
2. Sf3 Sf6
3. e3 g6
4. b3 Lg7

 

Hier erkennt man zwei Dinge: Weiß will das Zentrum indirekt kontrollieren und schont zunächst e- und d-Bauern. Die zweite Idee besteht darin, sofort Druck auf dem Königsflügel aufzubauen. Ein Punkt, warum die Eröffnung mit entsprechenden Zeitmodi relativ beliebt ist.

5. Lb2 O-O
6. Le2 c5
7. O-O Sc6

 

Von der Engine-Bewertung her hat sich Weiß nicht verbessert, aber auch nicht verschlechtert. Statistisch gesehen gewinnt ab jetzt Schwarz 43,7% aller Spiele. Das relativiert sich durch die nächsten Züge aber etwas. Man sieht, dass Schwarz sich bemüht, auf dem Damenflügel Druck zu erzeugen. Letztlich kommt es hier auf Geschwindigkeit (Stichwort: Tempoverlust) und Präzision an.

8. Se5 Dc7
9. Sxc6 Dxc6

 

Die Chancen, das Spiel zu gewinnen, stehen für Schwarz nur noch bei knapp 30%, für Weiß sind sie auf 34% gestiegen. Obwohl sich an der Stellungsbeurteilung nichts getan hat (beide stehen sehr solide) haben sich die Chancen geradezu verkehrt. Das zeigt, dass Bird eine gute Alternative zu den üblichen Eröffnungen ist, wenn man sich damit auskennt. In Schnellschachpartien sollte man sich aber auf heftige Konflikte im Zentrum mit vielen, teils komplexen, Abtäuschen einstellen. Hier verrechnet sich Schwarz ganz gerne und Weiß geht mit Materialgewinn aus dem Mittelspiel.

Als Untermauerung meiner These möchte ich noch eine Statistik von lichess.org anführen. Nach 1. f4 gewinnt Weiß zu 48%, Schwarz zu 47%. In der Stellung nach dem neunten Zug stehen die Chancen für Weiß bei 48% zu 43%.

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